Glossar

Hier finden Sie Begrifferklärung und Antworten zu oft gestellten Fragen.

A

  • Alterssicherung
    Alterssicherung umschreibt das Problem einer angemessenen Absicherung und Versorgung im Rentenalter. Bereits heute ist erkennbar, dass bestehende Systeme der Altersversorgung selbst in wohlhabenden Ländern vor ernsten Problemen stehen. Verantwortlich dafür sind – neben adversen demografischen Trends - mangelnde Reformbereitschaft der Politik sowie neuerdings auch die Phänomene „Niedrigzinsen“ und „Staatsverschuldung“.
  • Autonomes Fahren
    Der Trend zu autonomem Fahren verändert bisherige Transport- und Mobilitätssysteme. In diesem Bereich findet eine Zusammenführung unterschiedlicher Technologien statt, die durch Stichworte wie Elektromobilität, Digitalisierung, Robotik und Cognitive Computing gekennzeichnet werden können. Autonomes Fahren dürfte starke Veränderungen in Bereichen wie Automobilbau, Logistik, Transportwesen und Tourismus nach sich ziehen.

B

  • Bank Bailout Policy
    Als „bank bailout policy“ wird die gezielte Entlastung eines angeschlagenen Bankensystems bezeichnet. Dabei kaufen der Staat und/oder die Notenbank den Banken auf direktem Weg große Teile ihrer nicht mehr werthaltigen Kredite ab und ermöglichen dadurch eine schnelle Sanierung.
  • Big Data
    Das Stichwort „Big Data“ kennzeichnet eine umfassende Aggregation und Auswertung komplexer Daten mit Hilfe leistungsfähiger digitaler Analysewerkzeuge. Ziel derartiger Analysen ist meist, auf Grundlage spezifischer Korrelations- oder Beziehungsmuster detaillierte Prognosen zu erstellen oder personenbezogene Verhaltensweisen zu ermitteln. Big Data ist relevant für zahlreiche Bereiche wie Sicherheit, Konsum und Wissenschaft.
  • Block Chain
    Als „Block Chain“ wird ein neues Verfahren der digitalen Dokumentation bezeichnet. Der Ansatz basiert auf dezentral gespeicherten „Transaktions-Blöcken und -Ketten“. Er bildet so eine stetig wachsende dezentrale Datenbank aller dabei erfasster Transaktionen. Block Chain hat das Potential zur disruptiven Veränderung bisheriger Prozesse im Bereich der Erfassung, Abwicklung, Dokumentation und Verifikation von Transaktionen und Geschäftsprozessen. Betroffen davon sind primär Banken, Börsen und andere Finanzintermediäre, möglicherweise aber auch andere Institutionen.
  • BREXIT
    BREXIT bezeichnet den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU). Nach einem entsprechenden Referendum am 23.6.2016, das mehrheitlich für einen „Exit“ aus der EU votierte, betreibt die neue britische Regierung unter Theresa May derzeit den weiteren Austrittsprozess.

C

  • Carbon Bubble
    Der Begriff Carbon Bubble bezeichnet das Phänomen einer möglichen Überbewertung fossiler Brennstoffe, vor dem Hintergrund des weltweiten Klimawandels und der davon abgeleiteten UN-Klimaziele. Bei Durchsetzung dieser Klimaziele wäre nur ein Teil der weltweit vorhandenen fossilen Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle) noch wirtschaftlich verwertbar. Entsprechend wären die Wertansätze für ausgewiesene Reserven und Lagerstätten überhöht und müssten deutlich sinken („Bubble“).
  • Cognitive Computing
    Cognitive Computing bezeichnet neuartige Ansätze der Computerwissenschaften, in denen maschinelles Lernen („machine learning“) und stark verbesserte („kognitive“) Mensch-Maschine-Schnittstellen zu einer deutlichen Zunahme maschineller Leistungsfähigkeit führen. Cognitive Computing gilt oft auch als Vorstufe zu sogenannter „künstlicher Intelligenz“.

D

  • 3D-Druck
    Der sogenannte 3D-Druck ist ein neues Verfahren zur dezentralen Produktion von Gegenständen und räumlichen Strukturen mit Hilfe eines Drucker-ähnlichen Systems. Dieses Verfahren hat das Potential zur Umwälzung tradierter Produktionsprozesse in zahlreichen Bereichen der Wirtschaft und könnte globale Wertschöpfungsketten massiv verändern.
  • Dekarbonisierung
    Dekarbonisierung bezeichnet einen gesellschaftspolitischen und ökonomischen Prozess mit dem Ziel, den Einsatz fossiler Brennstoffe im Wirtschaftskreislauf zu reduzieren. Diese ökologische Transformation soll zu einer deutlichen Reduktion klimaschädlicher Emissionen sowie einer insgesamt nachhaltigeren Wirtschaftsordnung beitragen. Der Weg zu einer umfassenden Dekarbonisierung ist durch hohe „Umbaukosten“ und entsprechende „Umbaurisiken“ gekennzeichnet (u.a. Problematik der „Stranded Assets“).
  • Demografie
    Der Begriff Demografie umschreibt die Gesamtheit der Faktoren, mit denen sich Zusammensetzung und Entwicklung ganzer Bevölkerungen beschreiben lassen. Speziell die Verteilung nach Altersgruppen und die Reproduktionsraten einer Gesellschaft sind dabei maßgebliche Faktoren. Die Besonderheit demografischer Faktoren liegt darin, dass sie eine Prognose langfristiger Trends erlauben, oftmals mit sehr hoher Genauigkeit.
  • Dependency Ratio
    Der Begriff Dependency Ratio bezeichnet das Verhältnis zwischen dem berufstätigen Teil einer Bevölkerung und den Rentenempfängern. Je höher die Dependency Ratio, desto mehr Rentner müssen von den aktiven Arbeitnehmern finanziert werden. In Ländern mit adverser demografischer Entwicklung steigt die Kennzahl seit Jahren und wird sich künftig noch weiter verschlechtern. Stark betroffen sind bereits heute Japan, aber auch Mittel- und Südeuropa.
  • Digital Economy
    Digital Economy bezeichnet schlagwortartig ein Wirtschaftssystem, das stark durch „Digitalisierung“ und Automatisierung geprägt ist. Kernbereiche wie Produktion, Kommunikation und Administration sind stark digitalisiert, vernetzt und vielfach automatisiert. Konkrete Auswirkungen liegen im Bereich niedrig entlohnter Arbeitsplätze, die durch fortschreitende Digitalisierung obsolet werden.
  • Digital Natives
    Als „digital natives“ werden Jugendliche und junge Erwachsene bezeichnet, die zur Zeit seit Aufkommen der digitalen Medien geboren wurden und mit diesen aufwuchsen. Allgemein wird vermutet, dass die Generation der „digital natives“ durch ihr natürliches Verhältnis zu digitalen Technologien einen grundsätzlichen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft bewirken wird. (analog auch Generation X / Generation Y)
  • Digitalisierung
    Digitalisierung steht für eine zunehmende Durchdringung zahlreicher Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft durch digitale Technologien. Exemplarisch sind die neuen sozialen Netzwerke („Social Media“), Transaktionen im Internet („Online-Shopping“), digitale Finanzsysteme („FinTech“) sowie veränderte Produktionsprozesse („Industrie 4.0“).
  • Disruption
    Als Disruption bezeichnet die Wirtschaftstheorie schockartige Innovations- oder Wandlungs-Prozesse von hoher Durchschlagskraft. Bestehende Prozesse, Technologien, Unternehmen oder Branchen werden dabei starken Verwerfungen ausgesetzt, bis hin zur vollständigen Umwandlung oder Auslöschung. Beispiele sind die Einführung digitaler Speichermedien in der Fotografie, das Aufkommen des Internets im Bereich Medien oder die Einführung des 3-D-Drucks in bestimmten Fertigungsprozessen.

E

  • Elektromobilität
    Elektromobilität steht für eine mögliche Ablösung bisheriger Antriebssysteme auf Basis von Verbrennungsmotoren durch neue Formen elektrischer Mobilität. Starke Treiber hinter diesem Trend sind Sachzwänge des globalen Klimawandels, aber auch technologische Fortschritte bei Batterie- und Speichersystemen.
  • EU-Reform
    EU-Reform steht für einen wechselvollen und nicht klar definierten Prozess der EU-Politik, mit dem das „Projekt Europa“ stabilisiert, verbessert und vertieft werden soll. Der Erfolg dieses Prozesses bleibt zweifelhaft, da die EU nach diversen Krisen der letzten Jahre immer weniger Gemeinsamkeiten und einheitliche Ziele aufweist. Aktuell stehen Bestrebungen zu einer stärken Integration der EU im Gegensatz zu Strömungen, die eine stärkere Unabhängigkeit der Mitgliedsländer einfordern.
  • Euro Break Up
    Euro Break Up (auch: EMU Break Up) bezeichnet das Risiko eines Scheiterns oder Zerfalls der Europäischen Währungsunion. Dieses Risiko kann durch Austritt einzelner Mitgliedsländer, aber auch durch andere politische, institutionelle oder ökonomische Umstände oder Entscheidungen konkret ausgelöst werden. Die jeweilige Wahrscheinlichkeit des Euro Break Up-Risikos kann anhand marktbasierter Indikatoren ermittelt oder abgeschätzt werden.

F

  • Finanzielle Repression
    Als Finanzielle Repression werden staatliche oder staatlich administrierte Maßnahmen bezeichnet, durch die sowohl die Freiheit finanzieller Dispositionen, der Ertrag finanzieller oder realwirtschaftlicher Investments sowie generell die Finanz- und Vermögenssphäre der Wirtschaftssubjekte gezielt eingeschränkt oder nachteilig beeinflusst werden. Ziele sind dabei meist eine Stabilisierung fragiler Finanzsysteme, eine „Sanierung“ zerrütteter Staatsfinanzen oder vergleichbare „hoheitliche“ Maßnahmen. Aktuell zählen dazu die Politik der Negativzinsen, der gezielten Abwertung von Währungen sowie der gezielten Lenkung von Finanzinvestitionen.

G

  • Global Governance
    Global Governance bezeichnet die Existenz eines globalen Sicherheits- und Konfliktlösungskonzepts. Exemplarisch dafür stehen die Vereinten Nationen (UN) sowie speziell der UN-Sicherheitsrat. Eine multipolare Weltordnung mit stark divergierenden Interessenlagen, wie derzeit gegeben, erschwert Global Governance. Geopolitische Konflikte wie in Syrien, der Ukraine oder in Afrika lassen sich dann kaum noch lösen.
  • Global Greying
    Als „Global Greying“ wird das Phänomen einer zunehmenden „Überalterung“ westlicher Industrieländer bezeichnet. Von Japan über Europa bis hin zu den USA laufen demografische Trends, die eine starke Zunahme „alter“ Bevölkerungsgruppen implizieren, relativ zu den sinkenden Anteilen „junger“ Bevölkerungsgruppen. Das „Global Greying“ hat starke Effekte auf die jeweilige Wachstums- und Innovationskraft der betroffenen Länder.

H

  • Helicopter Money
    Als Helicopter Money („Helikoptergeld“) wird eine direkte Kombination aus Elementen der Geldpolitik sowie der Fiskalpolitik bezeichnet, die mit dem Ziel eines massiven ökonomischen Stimulus betrieben wird. Der Begriff geht auf den US-Geldtheoretiker Milton Friedman zurück und wurde ab 2012 populär durch den ehemaligen Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke. Das Begriffsbild symbolisiert den Abwurf von frisch gedrucktem Notenbankgeld aus Helikoptern zur freien Verwendung durch die Bevölkerung. Elemente dieser Politik werden seit der großen Finanzkrise zunehmend diskutiert und finden in Japan bereits teilweise Anwendung.

I

  • Impact Investing
    Als Impact Investing werden ethisch oder sozialpolitisch motivierte Handlungen bezeichnet, durch die mit einer Real- oder Finanz-Investition auch ein sozialer Effekt („Social Impact“) erzielt werden soll. Impact Investments sind demnach Investments, die neben finanziellen Renditen auch positive gesellschaftliche Auswirkungen bezwecken.
  • Islamismus
    Als Islamismus gilt eine radikale und stark politisch gefärbte Auslegung des Islam. Der radikale Islamismus ist verantwortlich für zahlreiche geopolitisch gefährliche Entwicklungen, darunter den Salafismus, den islamistischen Terror und die Ausbreitung des sogenannten „Islamischen Staats“.

K

  • Künstliche Intelligenz
    Als Künstliche Intelligenz (K.I.) wird die Fähigkeit maschineller Strukturen (Computer) verstanden, „zu denken wie ein Mensch“ und so auch extrem komplexe Kommunikations- und Entscheidungsprobleme lösen zu können. Neueste „Supercomputer“ (Deep Blue, Watson, D-Wave) scheinen in diesem Prozess bereits sehr weit fortgeschritten. K.I. wird in Expertenkreisen äußerst kontrovers diskutiert, da daraus zukünftig unübersehbare Komplikationen erwachsen könnten.

M

  • Migration
    Migration steht für globale Wanderungs-, Ausweich- und Fluchtbewegungen, die zunehmend krisenhafte Tendenzen aufweisen. Hinter der steigenden globalen Migration stehen oftmals wirtschaftliche Motive (Mexiko, Osteuropa, Nordafrika), aber auch Kriege, Bürgerkriege, Terrorismus, Anarchie oder der globale Klimawandel (Westafrika, Naher Osten, Zentralasien).
  • Monetäre Verwässerung
    Monetäre Verwässerung (analog auch „Monetary Dilution“) bezeichnet den Vorgang einer zunehmenden „Überflutung“ und „Verwässerung“ bestehender Finanzsysteme durch neu geschaffenes Zentralbankgeld. Neu geschaffenes Zentralbankgeld erhöht den Geldumlauf eines Systems, was komplexe Preis- und Mengenreaktionen auslöst. Typischerweise führt monetäre Verwässerung zu inflationären Effekten, Verzerrungen und Verfälschungen der Marktpreise sowie zu einer Abwertung der jeweiligen Währung.
  • Monetisierung
    Der Begriff „Monetisierung“ bezeichnet eine Übernahme oder Refinanzierung staatlicher Schulden, Defizite oder anderer Verbindlichkeiten durch die jeweilige Notenbank. Monetisierung von Staatsschulden durch eine Zentralbank gilt als „Ursünde“ von Politik und Geldpolitik und ist deshalb in vielen Fällen explizit verboten. Seit der großen Finanzkrise sind jedoch im Rahmen der „unkonventionellen Geldpolitik“ bereits erste Ansätze einer Monetisierung von Staatsschulden zu beobachten (Japan, aber auch EMU).
  • Moral Hazard
    Als „Moral Hazard“ („moralisches Risiko“) wird in der neueren Risiko- und Kontrakt-Theorie das Problem bezeichnet, dass ein Marktteilnehmer oder Wirtschaftssubjekt durch falsch gesetzte Anreize zu einem übermäßig risikoreichen oder die Interessen Anderer schädigenden Verhalten tendieren könnte. Das Problem ist auch im Rahmen spieltheoretischer Analysen von „Mehrperioden-Modellen“ relevant.
  • Multipolarität
    Multipolarität definiert einen geopolitischen Zustand der jüngeren Zeit. Im Gegensatz zur Zeit nach dem 2. Weltkrieg übt nicht mehr nur ein starkes Land (USA) dominanten Einfluss auf das Weltgeschehen aus (oder zwei Länder teilen bilaterale Einflusssphären wie USA und UdSSR während des Kalten Kriegs), sondern mehr als zwei Länder streben nach Dominanz oder geopolitischem Einfluss (derzeit USA, China, Russland). Multipolarität ist aus geostrategischer Sicht ein gefährlicher Zustand, der instabile Machtkonstellationen und starke Probleme einer Global Governance impliziert.

N

  • Negativzins
    Negative Zinsen galten lange Zeit als unvorstellbar und rechnerisch unmöglich. Im Zuge der Krisenbekämpfung der letzten Jahre haben jedoch Zentralbanken in Europa (EZB; SNB; Riksbank, Nationalbanken) und Japan (BoJ) ihre Einlagenzinssätze in den negativen Bereich abgesenkt. Gleichzeitig wurden durch starke Wertpapierkäufe dieser Zentralbanken auch die Renditen langlaufender Staatsanleihen in den Bereich negativer Verzinsung manipuliert. Nach Aussagen von Historikern haben die Zinsen heute das tiefste Niveau der letzten 5000 Jahre.
  • New Energy
    Der Begriff „New Energy“ steht für eine Vielzahl alternativer Mechanismen und Technologien zur Gewinnung, Erzeugung, Speicherung oder Transformation von Primärenergie. Üblicherweise zählen dazu die Bereiche Solarenergie und Photovoltaik, Windkraft, Hydro-Energie, Geothermie und Biogas. In einer weiter gefassten Abgrenzung zählen dazu auch Bereiche wie „Smart Grids“, Elektromobilität, Batterien und andere Speichertechnologien.

O

  • Overt Monetary Financing
    Als OMF oder „Overt Monetary Financing“ wird eine extreme Variante unkonventioneller Geldpolitik bezeichnet, bei der die Notenbanken direkt und „offen“ staatliche Defizite und/oder Schulden übernehmen und so dauerhaft finanzieren. OMF wurde in jüngster Zeit mehrfach von akademischen oder politischen Kreisen propagiert, um so eine erneute Krise der hochverschuldeten Weltwirtschaft zu verhindern.

P

  • Parallelgesellschaft
    Parallelgesellschaften sind soziologische Phänomene, die in westlichen Gesellschaften eine zunehmend brisante Rolle spielen. Ursachen sind Einwanderung und Migration aus anderen Kulturkreisen sowie eine unzureichende Integration. In Europa betrifft dies überwiegend Einwanderer aus dem Maghreb (Frankreich), aus Osteuropa und der Türkei (Deutschland) sowie aus Afrika und dem Nahen Osten (EU).
  • Peak Globalisation
    Peak Globalisation bezeichnet eine These, wonach der Prozess der fortschreitenden globalen Wirtschafts- und Handelsverflechtung („Globalisierung“) seinen Höhepunkt überschritten hat. Indizien dafür sind sinkende Handelsströme, wachsende Friktionen beim globalen Warenaustausch sowie eine zunehmend protektionistische Grundhaltung in vielen Regionen.
  • Peak Oil
    Peak Oil bezeichnet eine umstrittene These aus dem Bereich der Ölexploration, wonach die globale Ölförderung seit vielen Jahren abnehmende Grenzproduktivität aufweist. Ursprünglich ging die Peak Oil-These davon aus, dass der Zeitpunkt des globalen Förder-Maximums bei Rohöl bereits Anfang des 21. Jahrhunderts durchschritten wurde. Durch das Aufkommen neuer Fördertechnologien (u.a. „Fracking“) wurde dieses Bild vorerst widerlegt. Dennoch sind zahlreiche Aussagen der Peak Oil-These physikalisch kaum zu bestreiten und bleiben weiter relevant.
  • Polarisierung
    Polarisierung bezeichnet eine zunehmende Divergenz und Zuspitzung der politischen Diskurse in zahlreichen westlichen Demokratien. Die Polarisierung geht zurück auf eine steigende Unzufriedenheit und Frustration in bestimmten Bevölkerungsgruppen, was zu extremeren politischen Präferenzen und erratischeren Wahlergebnissen führt. Politische „Überraschungen“ wie das britische BREXIT-Votum sind Beispiele für diese Tendenz.
  • Populismus
    Populismus steht für eine zunehmende politische Tendenz in zahlreichen westlichen Demokratien wie Frankreich, Italien, Großbritannien, Ungarn, Polen aber auch den USA. Populismus setzt auf sehr vereinfachte, verzerrte oder zugespitzte Aussagen sowie oftmals scharf gezeichnete und rhetorisch aggressive politische Figuren. Der Aufstieg populistischer Kräfte in vielen Ländern stellt ein klares Warnsignal für den Bereich öffentlicher Politik dar.
  • Protektionismus
    Protektionismus bezeichnet eine politische Haltung, mit der die Wirtschaft eines Landes gegen äußere Einflüsse, insbesondere ausländische Exporteure und Konkurrenten, abgeschirmt werden soll. Zu den Instrumenten des Protektionismus zählen Importzölle, Handelssanktionen, Genehmigungsverfahren und andere Restriktionen, daneben oftmals aber auch Währungs-Manipulationen und andere nicht-tarifäre Handelshemmnisse.

Q

  • Quantitative Easing
    Als Quantitative Easing („Q.E.“) wird eine spezielle Form der Geldpolitik bezeichnet, die seit der großen Finanzkrise ab 2008 von verschiedenen Zentralbanken praktiziert wird. Beim Q.E. kauft eine Zentralbank in großem Umfang Wertpapiere am Finanzmarkt auf, um die Liquidität und die Geldversorgung am Markt zu erhöhen und gleichzeitig die Marktzinsen zu senken. Der Vorgang des Q.E. führt regelmäßig zu einer deutlichen Aufblähung der Notenbank-Bilanzen. Da die entsprechenden Käufe mit neu gedrucktem Zentralbankgeld finanziert werden, ist Q.E. ein wichtiger Teilaspekt der „Monetären Verwässerung“.

R

  • Robotik
    Robotik bezeichnet mechanische Konzepte, um einfache Tätigkeiten in Produktion, Transport oder Handhabung an entsprechend konfigurierte Maschinen (Roboter) zu übertragen. Zukünftig wird Robotik auch hochentwickelte technologische Lösungen bieten, die selbst komplexe Interaktionen – wie etwa die Pflege alter Menschen – ermöglichen. Robotik steht damit in direkter Beziehung zu Themen wie Technologie und Digitalisierung, aber auch zu Gesellschaft und Demografie.

S

  • Säkulare Stagnation
    Der Begriff „Säkulare Stagnation“ („secular stagnation“) geht zurück auf den US-Wirtschaftswissenschaftler Alvin Hansen. Unter dem Eindruck der großen Depression der 1930er-Jahre beschrieb Hansen 1938 damit einen Zustand dauerhaft schwachen Wirtschaftswachstums bei geringer Investitionsneigung der Unternehmen und rückläufigem Einkommen der Bevölkerung. Die heutige Phase anhaltender Fragilität und Wachstumsschwäche im Anschluss an die große Finanzkrise ab 2008 wird von einigen Wissenschaftlern als „Säkulare Stagnation“ charakterisiert.
  • Sharing Economy
    Als Sharing Economy wird das neuartige soziologische Phänomen bezeichnet, wonach speziell jüngere Menschen nur noch den Gebrauch bestimmter Konsumgüter wünschen, nicht aber auch deren Besitz oder Eigentum. Dieses Prinzip zeigt sich heute bereits in verschiedenen Bereichen, wie etwa bei Wohnung, Mobilität, Software und Kommunikation.
  • Social Networks / Social Media
    Der globale Trend zur Digitalisierung hat den Bereich der sozialen Medien und der sozialen Netzwerke entscheidend geprägt. Soziale Netzwerke und soziale Medien sind äußerst relevant, um das Aufkommen neuer sozialer Strömungen, globaler Trends oder veränderter Konsumgewohnheiten zu verstehen. Das Nutzungsverhalten der sozialen Medien steht in direkter Beziehung zu Themen wie Demografie, Digitalisierung und „Digital Natives“.
  • Sozialsysteme
    Der Begriff der Sozialsysteme umschreibt die Gesamtheit der Sicherungs-, Versorgungs- und Betreuungs-Systeme in modernen Gesellschaften. Sozialsysteme werden zunehmend überfordert und stoßen an die Grenze nachhaltiger Finanzierbarkeit. Ursachen sind demografische Trends sowie zunehmende Inanspruchnahme bestehender Sozialsysteme.
  • Stranded Assets
    Als „Stranded Assets“ werden Investitionen, Anlagen und andere Teile einer industriellen Infrastruktur bezeichnet, die nach einer strukturellen oder disruptiven Transformation teilweise entwertet („gestrandet“) zurückbleiben. Das Problem der Stranded Assets spielt im Rahmen der Diskussionen um Klimawandel, Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung eine zentrale Rolle.
  • Sustainability
    Der Begriff „Sustainability“ bezeichnet generell das Prinzip einer nachhaltigen Entwicklung. Dies erfordert primär ressourcenschonende, klimaneutrale und langfristig tragfähige Konsum- und Produktionsprozesse. Die Bandbreite des Begriffs reicht von gesellschaftlicher Konsensbildung über politische Maßnahmen und Impulse bis hin zu einer Transformation wirtschaftlicher Prozesse.
  • Sustainable Economy
    Sustainable Economy bezeichnet die Grundzüge einer Wirtschaftsordnung, die klar am Prinzip der Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Merkmale einer solchen Wirtschaftsordnung sind Elemente wie Ressourcenschonung, Recycling, klimaneutrale Energieerzeugung und hohe Energieeffizienz.

U

W

  • Währungsmanipulation
    Als Währungsmanipulation wird der gezielte Versuch bedeutender Zentralbanken verstanden, durch verschiedene Elemente ihrer Geldpolitik sowie der begleitenden geldpolitischen Rhetorik eine bewusste Veränderung des Außenwerts ihrer jeweiligen Währungen herbeizuführen. Exemplarisch dafür ist die Politik der Bank of Japan von 2013 bis 2015, aber auch die Politik der EZB seit 2012.